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Dom

Aufblick


huflaikhan. Regensburg
11. Januar 2007 um 11:17:38 MEZ
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imposant


schmerles, 11. Januar 2007 um 11:19:07 MEZ

Das ist sehr charakteristisch bei den Katholen: sobald ein Dorf mehr als zwölf Häuser hatte, haben die sich eine Kirche errichtet, aber immer so überdimensioniert, daß man von weitem nur die Kirche sieht.


zesnake, 12. Januar 2007 um 10:22:17 MEZ

vor solchen Orten halte ich auch Abstand. Als diese gebäude errichtet wurden hatten die Arbeiter sicher nichts zu fressen und lebten im Dreck


rollinger, 12. Januar 2007 um 14:50:16 MEZ

Ich fürchte mal, das gehört ganz "sicher" in das Reich der Traumdeutung. Anders als bei Pyramiden oder Munitionsfabriken, wo Arten und Formen alter und neuer Sklaverei an der Tagesordnung waren, ist es bei den prestige-wichtigen Kathedralen anders gelaufen. Solche Sachen machte man nicht in drei Tage sondern über Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Das wird aber "sicher" ein Sozialgeschichtler gut erklären können. Die Facharbeiter des Dombaus sind im Übrigen auch heute noch äußerst geschätzte Handwerker. Aber lieber irgendwelche Stereotypen füttern, als nachforschen. Nicht wahr?)

Im Dreck hat man damals freilich schon gelebt. Denn die moderne Kanalisation und Müllabfuhr waren weniger bekannt als heute. Vielleicht so, wie an den Ufern des Tiber in Rom vor 30 Jahren.

Nach Ihrem Maßstab, Herr Rollinger, müssten Sie so ziemlich von allem Abstand halten, was irgendwie nach Zivilisation klingt - aber vielleicht tun Sie das ja.


huflaikhan, 13. Januar 2007 um 09:51:18 MEZ

sie wissen ja gut bescheid. aber die "facharbeiter" an den bauhütten hatten massen leibeigener zuträger. und die bauherren dieser gebäude fanden das richtig und propagierten das. oder?


stapel, 13. Januar 2007 um 12:53:46 MEZ

Ich weiß überhaupt nicht bescheid. Ich find' nur die gezeigte Haltung so dermaßen ignorant, dass hier der Begriff der Spießigkeit seine korrekte Anwendung finden würde.

Ja glaubt denn hier irgendwer, dass etwas hier stünde oder wäre, wenn dahinter nicht die komplette Ausbeutung stünde. Trinkt hier jemand Kaffee, oder isst Orangen? Schreibt hier jemand auf Tontafeln? Und der Strom kommt aus der Steckdose?

Und die Musik erst! Zum Kotzen das. Aber politisch korrekt das, natürlich. Das geht mir auf den Geist. Und zwar wie.

Verlogene Bande.


huflaikhan, 13. Januar 2007 um 15:01:52 MEZ

was ist denn hier los?

beim bau waren neben dem baumeister selbst - der übrigens aktiv mitarbeitet - folgende spezialisten beschäftigt: steinmetze, zimmerleute, maurer, seiler, dachdecker, maler etc.; daneben außerdem schmiede, welche zur zeit der gotik sehr bedeutsam werden. sklavenarbeit wurde dort nicht verrichtet, denn in einer dombauhütte arbeiteten ja nicht vornehmlich leibeigene bauern, sondern spezialisierte handwerker (vgl. oben), für die es übrigens außerordentlich günstig war, bei einer dombauhütte anzuheuern, da dies sichere arbeit über jahre hinweg bedeutete. zusätzlich zu diesen handwerkern kommen handlanger und hilfskräfte, was beim bau einer gotischen kathedrale mehrere tausend menschen auf der baustelle bedeutet (die allerdings nicht alle gleichzeitig vor ort waren), für "hilfsarbeiten" wie den transport von holz, steinen, wasser etc. wurde natürlich das gemeine volk herangezogen, es wurde aber bezahlt und diese arbeiten sicherten das auch für diese volksschicht überleben. kathedralbauten waren für den auftraggeber immer eine möglichkeit, seine macht und seinen reichtum zu demonstrieren, sicherlich ist das der aspekt den herr rollinger meinte, heute fahren solche menschen cheyenne oder so...


don papp, 13. Januar 2007 um 15:30:21 MEZ

Genau, don papp. Aber Herr Rollinger hat das vielleicht so gemeint, gesagt (oder geschrieben) hat er was anderes.

Naja, ist ja auch schon lange her. Diese Zeit.

Übrigens sichert der Dom zu Regensburg auch heute noch den Steinmetzen lebenslange Arbeit.


huflaikhan, 13. Januar 2007 um 16:59:39 MEZ

das macht ihn sakrosankt.


stapel, 13. Januar 2007 um 22:53:47 MEZ

Ja, armer Doc Rollinger.


huflaikhan, 14. Januar 2007 um 09:26:49 MEZ

Lustig hier. Waren Kirchen (und sind es noch heute) nicht tatsächlich Bauwerke der Macht? Und zwar der Knutenmacht? K&K. König und Klerus. Ich weiß auch nicht, was es daran zu romantisieren gibt. Auch wenn der Bau nicht hopplahopp, sondern über Jahrzehnte lief. Das macht es ja eher noch schlimmer. An jeder verfickten Kirche klebt Blut. Lokales und institutionelles. Da unterscheiden sich Kirchen nicht von Munitionsfabriken. Insofern verstehe ich deine Aufregung nicht, Hufi. Die Pyramiden wurden vor ein paar tausend Jahren von Leuten gebaut, die sich damals sicherlich als zivilisiert bezeichnet haben. Obwohl sie Sklaven hielten und in den Tod schindeten. Die Kirche und ihre Profiteure haben die Menschen genauso gewissenlos verheizt wie die Pharaonen die Sklaven. Spielt es da eine Rolle, ob es 100.000, 10.000 oder nur 1.000 waren?

Bert Brecht hierzu:

Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? Und das mehrmals zerstörte Babylon, Wer baute es soviele Male wieder auf? In welchen Häusern Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute? Wohin gingen an dem Abend, wo die chinesische Mauer fertig war, Die Maurer? Das große Rom Ist voll von Triumphbögen. über wen Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis Brüllten doch in der Nacht, wo das Meer es verschlang, Die Ersaufenden nach ihren Sklaven. Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich? Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte Untergegangen war. Weinte sonst niemand? Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer Siegte außer ihm? Jede Seite ein Sieg. Wer kochte den Siegesschmaus? Alle zehn Jahre ein großer Mann. Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte, So viele Fragen.

Trotzdem halte ich es durchaus für legitim, solche Gebäude zu mögen. Man muss sie aber bittschön von allen Seiten betrachten. Ich betrete diese Dinger auch höchst ungern. Was hat das denn mit Verlogenheit zu tun?


semmel, 14. Januar 2007 um 12:48:33 MEZ

Ist doch wahr. Ich kann dieses "Finger-Zeig-Schaut-Her-Böse-Die" sonst wäre da ja nix, aber "selbst-sind-wir-besser-weil-aufgeklärt- und-so-schlau-dass-wir-unser-Unwissen- besser-perpetueiren-statt-daran-zu-kratzen"-Haltung. Kirche ist eben Käse - und ich habe damit auch nichts an der Backe.

Verlogen ist es trotzdem in alle Richtungen, doppelt und dreifach. Verlogen, weil nichts ist, an dem nicht irgendein Blut klebt. Man müsste konsequenterweise dann auch einen großen Bogen um sich selbst machen und die Konsequenzen ziehen. Verlogen, weil es dem moralischen Umgang heute nicht entspricht. Dazu höre man sich mal die verschiedenen Umgangsweisen an, mit denen auf Krisen reagiert wird. Von der Caraitas will ich gar nicht erst reden. Verlogen, weil Brecht auch Recht und trotzdem falsch, in dem er unpassende Passagen ausließ.

Kurt Bartsch:

Adolf Hitler, ganz allein Baute er die Autobahn Keiner trug ihm einen Stein, keiner rührte Mörtel an

Keiner half ihm, als den Krieg Er vom Zaun gebrochen. Dennoch dauerte der Krieg Fast dreihundert Wochen

Adolf Hitler ganz allein Hackte Holz, trug Kohlen, Heizte dann die Öfen ein In Auschwitz, fern in Polen.

Keiner hat es kommen sehn, Jeder hielt sich ferne. Alle ließen es geschehn, Aber, ach, nicht gerne.

Adolf Hitler ganz allein Musste sich erschießen. Außer ihm hatte kein Schwein Einen Grund, zu büßen.

(Weihnacht ist und Wotan reitet. Rotbuch Verlag, Berlin 1985)

Und zum letzten: Natürlich muss man sie nicht betreten. Man kann in Frankreich- und England-Urlauben Bögen drum machen, auch in Köln und anderswo. Das kann jeder halten wie er mag.

Bertolt Brecht: "Was sind das für Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!"


huflaikhan, 14. Januar 2007 um 14:44:31 MEZ

manchmal klebt das blut von den richtigen leuten an den dingen.


stapel, 15. Januar 2007 um 23:04:42 MEZ

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